Worauf kommt es bei einem Logo an? BREAK (Teil 2)

Worauf kommt es bei einem Logo an?
(Teil 2)

Bei der Gestaltung eines Logos sollten wahrnehmungspsychologische Besonderheiten beachtet werden. In jedem Kulturkreis sind Gestaltungsmuster mit spezifischen Bedeutungen besetzt. Haben Sie sich schon einmal Werbeanzeigen für Uhren genauer angeschaut? Dann wissen Sie, dass die Zeiger meist auf zehn Minuten vor zwei stehen. Warum ist das so? Zum einen wird das Herstellerlogo bei dieser Stellung nicht von den Zeigern verdeckt. Noch wichtiger aber ist die psychologische Wirkung: Die nach oben weisenden Zeiger erinnern uns unbewusst an die angehobenen Mundwinkel eines lächelnden Gesichtes. Das Lächeln der Mutter war das erste Signal, das wir als Säugling wahrnahmen. Und es ist bis heute in unserem Unterbewusstsein verankert.
 
Symbolik
Einer nach rechts ansteigenden Kurve wird unbewusst eine positive Dynamik zugeschrieben. Das ehemalige Logo der Hypovereinsbank, mit dem aufwärts gerichteten Bogen, machte sich diesen Sachverhalt zu Nutze.
Auch das Logo des Onlinehändlers Amazon nutzt dieses Prinzip. Der charakteristische Pfeil unter dem Claim hat zwei Funktionen: Auf der Inhaltsebene verweist er auf das breite Warenangebot (von A bis Z). Auf der Beziehungsebene stellt er ein Lächeln dar.
Auch das Logo des Transportunternehmens FEDEX besitzt eine unterschwellige Botschaft: Zwischen den Buchstaben E und X befindet sich ein versteckter Pfeil, der auf die Dynamik des Unternehmes anspielt.
 
Prägnanz
Achten Sie bei Ihrem Markenzeichen auch auf Klarheit. Nach dem Gesetz der Prägnanz werden Formen, die bestimmte visuelle Kriterien, wie Regelmäßigkeit, Symmetrie und Geschlossenheit aufweisen, vom Betrachter deutlich schneller erkannt, als indifferente Gestaltungsmuster. Denken Sie daran: Kommunikation ist das, was ankommt.  
 
Einzigartigkeit
Ihr Markenzeichen sollte unverwechselbar sein und sich deutlich von anderen Symbolen abheben. Vermeiden Sie also Hammer-und-Sichel-Design, die Darstellung typischer Attribute Ihrer Branche. Die Zeiten der Zünfte sind vorbei. Ein Markenzeichen ist ein Leistungsversprechen und sollte die Vertrauensbildung unterstützen. Es soll die Aussage Ihrer Marke als grafisches Kürzel verkörpern. Seien Sie also kritisch bei Ihrer Wahl.
 
Kompaktheit
Bei Webseiten und anderen Anwendungen im Internet steht oft eine quadratische Fläche für ein Profilbild oder Favicon zur Verfügung. Wenn Ihr Logo also aus einem längeren Wort besteht und eine horizontale Ausprägung besitzt, sollten Sie unbedingt eine kompakte Variante als Alternative besitzen.
 
Praktikabilität
Neben der kommunikativen Eignung ist die praktische Funktionalität des Markenzeichens ein Killerkriterium. Das knallbunte Logo-Design, das die Frau des Chefs so überzeugte, wirkt als grob gerasterte Graustufendarstellung im Anzeigenteil der Tagespresse nur halb so apart und erweist sich später beim Stempeln, Besticken oder Gravieren als gänzlich unbrauchbar. Digitale Techniken machen vieles möglich, aber nicht alles. Prüfen Sie die Realisierbarkeit des Zeichens im Hinblick auf verschiedene Medien und Reproduktionsverfahren. Wie wirkt das Zeichen bei starker Verkleinerung oder invertierter Darstellung vor dunklem Hintergrund? Wie steht es um die Lesbarkeit aus der Ferne? Diese Fragen müssen Sie bei der Beurteilung eines Entwurfs stellen. Versäumnisse könnten sich später rächen. 
 

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